Festival-Review: 11. Amphi Festival 2015


Event:

Amphi Festival 2015

Ort:

Lanxess Arena, Köln

Datum:

25.07.2015

Amphi 2015

 

Einmal alles anders, oder doch nicht? Dieses Mal fand das Amphi Festival zum ersten Mal nicht am Tanzbrunnen statt, sondern als neuer Veranstaltungsort war nun an die Lanxess Arena gewählt wurden. Bereits am Freitag konnten Besucher eine mittlerweile etablierte Warm-Up Party auf einem Schiff besuchen. Die Tickets waren rar und restlos ausverkauft. Die MS Rheinenergie bot ihren fast 1000 Fahrgästen auf dem Weg von Köln in Richtung Bonn bzw. Düsseldorf Liveunterhaltung mit der Synthpop Band !Distain wie auch im Vorjahr mit einer Show von Agonoize, ganz ohne Blut diesmal. Jens von X-Divide unterstützte bei dieser Darbietung Frontmann und Sänger Chris. Für einige Überraschend, da als Act des abends „Ezionoga“ (Agonoize rückwärts) angekündigt waren. Den musikalischen Höhepunkt des Abends boten And One mit einem speziellen akustisches Retro-Set.

 

Die Stimmung am Freitag Abend war überhaus heiter, das Wetter am Samstag war leider das komplette Gegenteil. Es gab für ganz Nordrhein-Westfahlen eine Sturmwarnung. Der Deutsche Wetterdienst verbot sämtlichen Open-Air Veranstaltungen an deisem Tag… ausser das Amphi! Durch die Option den Besuchern in der großen Lanxess Arena Schutz zu bieten mussten nur die Acts auf den Aussenbühnen in den Innenraum umverlegt werden. Leider war es zum einen Zeitlich, aber auch durch Folgetermine der Künstler nicht möglich alle angekündigten Acts auftreten zu lassen. So mussten die Besucher beispielsweise auf Neurotic Fish gänzlich verzichten. Diorama und Incubus Succubus hingegen konnten einen Slot am Folgetag bekommen und so ihre Darbietung abliefern.

Doch, kommen wir vorerst zum Samstag. Durch die Verlegung nach Drinnen mussten auch die Verkaufsstände und das vielseitige gastronomische Angebot schließen. In der Arena selbst musste man sich dann mit Burgern, Asia Snack oder Würstchen sowie Popcorn behelfen.
Aber eins vorweg: trotz der Umstände und des Chaos vor Ort haben die Veranstaler eine Menge gerettet an diesem Tag. Immerhin galt es die 13 Bands welche auf der Orbit Stage und der Green Stage angekündigt waren, noch ins Programm zu quetschen. Hut ab vor dieser organisatorischen Leistung einfach mal 3x so viele Acts auf eine Bühne zu packen, und das innerhalb des gleichen Zeitpensums. Dass dies nicht gänzlich gelingen konnte war von vornherein abzusehen. Kritik gab es seitens der Fans, dass die neu arrangierten Spielzeiten der Bands nicht schnell genug kommuniziert wurden. Aber im Laufe des Nachmittags standen an allen TV Tafeln aktuelle Informationen bereit.

 

DAF konnten ihr einstündiges Set durchziehen, da The Crüxshadows leider die vereinbarten 45min. überzogen haben blieb für X-RX nur noch Zeit für 4 Songs – diese knüppelten sie aber bretthart nieder und begeisterten das Publikum.

Gänzlich gestrichen wurden leider die Auftritte von The Devil & The Universe, Aeon Sable und Lebanon Hanover.

 

Wetterbedingt war die Halle bereits gut voll und so spielten bereits Centhron als die ersten Band spontan bereits um 10:30 Uhr, gefolgt von Schöngeist und Chrom, vor einem großen Publikum. Ebenso freuten sich Rabia Sorda über die Menschenmenge und verausgabten sich völlig. Durch technische Probleme völlig gereizt verdepperte der Keyboarder am Ende des Sets 2 wirklich nicht billige Keyboards und zerlegte sie in ihre Einzelteile. Die Stimmung war gut, die Leute feierten und rockten mit. Zum Abschluss dieses Auftritts sang die halbe Arena Multiinstrumentalist Marcus Engel noch ein Geburtstagsständchen. Und wie es sich gehört endete dieses Ständchen mit einer Torte in seinem Gesicht…

Setlist RABIA SORDA @ Amphi Festival 2015:

  1. I’m Tragedy
  2. Die in Berlin
  3. Out of control
  4. D.E.A.F.
  5. Obey Me (abgebrochen wegen technischer Probleme)
  6. Eye M the blacksheep
  7. Abuse me
  8. Radio Paranoia
  9. Indestructible
  10. Hotel Suicide

 

 

Eigentlich wäre anschliessend WESSELSKY aufgetreten, doch kurzfristig musste dieser Auftritt krankheitsbedingt abgesagt werden. Spontan sprangen die Kölner THE OTHER ein, sehr zur Freude einiger Besucher, da diese Band überhaupt nicht auf dem Festival Plan stand. Nach kurzer Irritation wurden sie vom Publikum gut aufgenommen und gebührend gefeiert. Folgend spielten die CRUXSHADOWS eine wie immer gute Show. Ncihts wirklich Neues aber eben solide und partytauglich. Wie schon erwähnt war das Set von ROUGE und seiner Band ein wenig zu lang, so dass X-RX nur 4 Songs zum Besten geben konnten. Ein- und ausgeleitet wurde ihr Auftritt wie so viele andere auch, von Dr. Mark Benecke, der kurzerhand den Moderator übernahm.
Setlist X-RX @ Amphi Festival 2015:

  1. Escalate
  2. Stage 2
  3. Hard Bass Hard Soundz
  4. A to A and D to D

 

DAF konnte man anschließend, ebenfalls zeitlich vorgezogen hinsichtlich der eigentlichen Spielzeit, bestaunen. Das über 30 Jahre lang bestehende Duo aus Schlagzeuger Robert Görl und Gabi Delgado spielten 60 Minuten alles was die Bandgeschichte an Knallern hergab. Zum Leid einiger anwesenden, die nicht so ganz mit Elektro-Minimal-Punk etwas anfangen konnten.

Setlist DAF @ Amphi Festival 2015:

  1. Verschwende deine Jugend
  2. Ich und die Wirklichkeit
  3. Der Mussolini
  4. Ich will
  5. Muskel
  6. Tanz mit mir (Remix)
  7. Mein Herz macht Bum
  8. Die Lippe
  9. Liebeszimmer
  10. Der Sheriff (mit „Du bist DAF“-Instrumental)
  11. Osten währt am längsten
  12. Sato-Sato
  13. Alle gegen Alle
  14. Nachtarbeit
  15. Verlier nicht den Kopf
  16. Die Lüge
  17. Als wär’s das letzte Mal
  18. Der Räuber und der Prinz

 

Aber für eben diese Besucher war stimmlich, performerisch und optisch für Ausgleich gesorgt. THE BIRTHDAY MASSACRE gehören zu einer jahrelangen Institution der Gothic Szene und sind, für diesen Status betrachtet, viel zu selten auf deutschen Bühnen unterwegs. Hier gab es auch zum ersten mal merkliche Zugabe-Rufe der Fans, welche Frontfrau Chibi wohl gern noch länger gelauscht hätten.

 

Setlist THE BIRTHDAY MASSACRE @ Amphi Festival 2015:

  1. Red Stars
  2. Destroyer
  3. Divide
  4. Diaries
  5. Superstition
  6. Pins and needles
  7. Video kid
  8. Lovers End
  9. Alibis
  10. Kill the lights
  11. Leaving tonight
  12. Blue
  13. In the dark
  14. Sleepwalking

 

Dieser erste Festivaltag gestaltete sich extrem kontraktreich. Denn nach den melodischen und teilweise growligen Songpassagen von TBM wartete schon die harte, deutsche, blutreiche Aggrotech Formation von AGONOIZE auf ihren Auftritt. Der Punkt, wenn Fotografen bei einer Indoor Veranstaltung Regenschutz auf ihre Kameras tun verheißt nie etwas Gutes. Das Blut spritzte nur so in alle Himmelrichtungen und die Fans der ersten 5 Reihen suhlten sich genüsslich darin. Es wurde getanzt, gepogt und kleine Moshcircle entstanden im Innenraum der wie es schien bis auf den letzten Platz besetzten Arena.

 

Setlist AGONOIZE @ Amphi Festival 2015:

  1. Returns a King
  2. Glaubenskrieger
  3. Nekropolis
  4. I against me
  5. Open the gate
  6. Running
  7. Pavillon 5
  8. Kind der Nacht
  9. Sacrifice
  10. Toxin
  11. Femme fatale
  12. Staatsfeind
  13. Koprolalie
  14. Bis das Blut gefriert

 

Erneut ein musikalischer Stilbruch versprach der nächste Act. GOETHES ERBEN warteten bereits mit ihrer experimentellen Kunst und boten Musik und Show zum Verweilen, Zuhören ,Reindenken und Fühlen. Unterstützt durch Sonja Kraushofer und einigen Tänzerinnen inszenierte Oswald Henke seine Musik und bot einen kleinen Vorgeschmack auf das neue Musiktheaterstück „Menschenstille“.

 

Setlist GOETHES ERBEN @ Amphi Festival 2015:

  1. Was war bleibt
  2. Nichts bleibt wie es war
  3. Himmelgrau
  4. Tage des Wassers
  5. Sie wusste mehr
  6. Kopfstimme
  7. Neues Stück aus Menschenstille
  8. Die Sonne schmilzt
  9. Mensch sein
  10. Ironie im Plattenbau
  11. Sitz der Gnade (Nick Cave & The Bad Seeds Cover)

 

Damit es nicht langweilig wird schenkt der Veranstaltungsplan zurück zu Musik mit EBM Schwerpunkt. FRONT 242 haben mit Sicherheit ihre Fanbase, man merkte aber deutlich, dass die Besucher langsam kaputt, ausgelaugt und von schmerzenden Füßen geplagt waren. Stimmen wurden laut, dass die Formation zu experimentell mit den alten Hits umgeht und andererseits Klassiker wie Headhunter, die in keinem Set fehlen düften, weg gelassen haben.

 

Setlist FRONT 242 @ Amphi Festival 2015:

  1. Commando Mix
  2. Punish your machine
  3. Im Rhythmus bleiben
  4. Take one
  5. U-Men
  6. Together
  7. Kampfbereit
  8. Happiness
  9. W.Y.H.I.W.Y.G.
  10. Masterhit
  11. Welcome to paradise
  12. Funkahdafi

 

Last but not least beendete den ersten Festivalabend AND ONE. Vor fast 15.000 Menschen zu stehen muss ein phänomenales Gefühl gewesen sein.

Dieses mal mit einem normalen Rockset und nicht wie am Vortag im akustischen Gewand. Steve Naghavi bespielte die noch durchhaltenden Besucher bis 2 Uhr nachts mit sämtlichen And One Klassikern. Die Stimmung war gut, wenn gleich einige das Gelände auf Grund fortschreitender Zeit bereits verlassen haben.

 

Setlist AND ONE @ Amphi Festival 2015:

  1. An alle Krieger
  2. Steine sind Steine
  3. Krieger
  4. Unter meiner Uniform
  5. Für
  6. The Walk (The Cure-Cover)
  7. Männermusik
  8. Deutschmaschine
  9. Timekiller (Project Pitchfork-Cover)
  10. Second Voice
  11. High
  12. Back Home
  13. Techno Man
  14. Military Fashion Show
  15. Sometimes
  16. Shouts of joy

 

Somit endete der Samstagabend doch noch halbwegs gelungen. Viele strahlende, wenngleich kaputt gerockte und müde Gesichter bestätigten diesen ersten Eindruck.

 

Es versprach ein spannender zweiter Festivaltag zu werden. Die Unwetterwarnung war aufgehoben und die Verkaufsstände wie auch die Außenbühnen konnten öffnen. Inzwischen waren auch neuen Spielpläne und geänderten Auftrittszeiten kommuniziert, überall einsehbar und im Internet publiziert. Jeder konnte sich nun also einen typischen Festivaltag mit Outdoor-Feeling zusammenstellen. Die Grundstimmung war schon eine ganz andere, die Leute waren entspannt, freudig und genossen das vielseitige Verkaufsangebot und die Sonne im Außenbereich.

 

Ein witziger, wenngleich kurioser Einstieg war mit S.I.T.D bereits um 10:30 Uhr geboten, welche in der großen Halle die noch müden Besucher so richtig wach schüttelten. Samstag kündigte Agonoize Chris bereits seinen Gastauftritt bei SITD an. Ein Mann, ein Wort – und so stand Chris mit seinen Homies gemeinsam am frühen Morgen auf der Bühne. Trotz des frühen Morgenstunden war es bereits gut gefüllt und, als wäre es 20 Uhr, feierten die Elektro-Fans ihre Band.

 

Es bleibt elektronisch – die Patenbrigade Wolff zog ihr Absperrband ebenfalls auf der Mainstage, im Innern der Arena. Schutzbrille und der mit Nägeln gespickte Bauhelm noch einmal gerade gerückt und schon geht die Reise los. Funkenflug mit dem Trennschleifer als Showeinlage oder das synchrone Aufrollen eines Banners gehören zum Standard Programm der Performance. Das Publikum war begeistert und feierte die wohl musikalischsten Bauarbeiter der Szene.

 

Setlist Patenbrigade:Wolff Amphi 2015:

  1. Feind Hört Mit!
  2. Die Brücke
  3. Freunde der Technik
  4. Volksarmee
  5. Voyage
  6. Gefahrstoffe
  7. Der Brigadier trinkt Bier
  8. Demokratischer Sektor

 

Nun ging es das erste Mal nach draußen – denn DIORAMA hatten ihren Slot von Samstag auf Sonntag verschieben können und empfinden das Publikum bei schönstem Sonnenschein um 12 Uhr vor der Green Stage. Viele freuten sich, dass die Show nicht gänzlich gecancelt werden musste, doch leider gab es auch Tagesticket Besitzer, die so nicht mehr die Chance hatten Diorama oder andere verlegte Bands am Sonntag zu sehen. Man sah ihnen deutlich die Spielfreude an, ein Lächeln von einem Ohr zum Andern zierte die Gesichter eines jeden Bandmitglieds. Torben und Felix sind ein eingespieltes Team und interagieren großartig. Es war eine wirkliche Freude für das Publikum einfach nur zu lauschen und zuzusehen.

 

 

Im Anschluss ging es wieder hinein, dieses mal zu NDH-Musik aus dem Hause Stahlmann. Silberling Mart präsentierte die erste Singleauskopplung „Plasma“ des bald erscheinenden neuen Albums namens CO2. Der rockige Sound kam super an, wenngleich die etwas neue Besetzung der Band einigen Besuchern sicherlich nicht geläufig war. Die Energie wurde in der Halle versprüht, auch wenn man leider durch zu wenig Licht und zu viel Nebel teilweise nur erahnen konnte wer dort vor einem steht. Der Sound hingegen war im vorderen Bühnenbereich während des gesamten Festivals gut.

 

Setlist Stahlmann @Amphi 2015:

  1. Willkommen
  2. Adrenalin
  3. Stahlmann
  4. Süchtig
  5. Der Schmied
  6. Spring nicht
  7. Schwarz
  8. Plasma
  9. Tanzmaschine

 

Etwas skurril wurde es bei Pokemon Reacter auf der Orbit Stage. Auf der Bühne waren neben einigen Menschen auch Minions und Pokemons zu finden. Statisten? Der Berliner und Frontmann Schmu von Kröt, in Ansätzen durch seinen Kleidungsstil leicht mit Fred Durst zu verwechseln, holte auch den letzten Rest Müdigkeit aus den Freiluft-Besuchern. Eine Musik, die man als solches wie auch die Performance auf der Bühne nicht all zu ernst nehmen sollte bretterte auf die Audienz ein. Es kommt eben nicht auf teure Produktionen an, sondern auf die Energie die man von der Bühne ins Publikum transportiert. Das gelang Schmu äußerst gut, wenn auf gefühlten 2m Platz vor der Bühne tat sich sogar eine Wall of Death auf, in der er Selbst ordentlich mitmischte.

 

Im Anschluss spielten ebenso auf der Orbit Stage The Creepshow und in der Arena S.P.O.C.K. Leider konnten diese beiden nicht angesehen werden, da der Weg bereits zu DARKHAUS auf die Green Stage führte. In bester Nachmittagssonne betrat Kenny Hanlon gut gelaunt und mit Sonnenbrille gekleidet die Open Air Bühne. Gothic-Pop-Rock vom Feinsten erreichte die Gehörgänge der begeisterten Zuschauer. Ebenso optisch war es eine klasse Darbietung der insgesamt 5 Musiker. Rupert Keplinger an der Gitarre ist dem ein oder anderen wohl eher von EISBRECHER bekann, ebenso Gary Meskil, welcher u.a. auch bei Pro Pain spielt.

 

Etwas ruhiger ging es bei der Orbis Stage mit Sonja Kraushofer weiter. Sonst im Duett bei LÁme Immortelle, steht Sonja hier im Kreise ihrer mit Akustikinstrumenten begleitenden Musiker allein auf der Bühne. In dieser Weise ist sie bisher noch nicht sehr oft aufgetreten. Es ist wirklich verschieden zu den Sachen von Lame Immortelle, wenn immer man die Chance hat Sonja Solo live zu erleben, sollte man dies nutzen.

 

Das erste Highlight des Abends bahnt sich auf der Mainstage an: DAS ICH betreten die Bühne und blicken auf einen sehr gut gefüllten Arenaraum. Es ist immer wieder bewegend, wenn der bis vor Kurzen schwer kranke Stefan Ackermann gemeinsam mit Bruno Kramm die Bühne betritt und sich Jubel und faszinierende Stille abwechseln.

Gemeinsam mit Marianne von Schneewittchen performt Stefan ein fast einstündiges Set und die Menge ist außer sich. Das Ich gehören seit vielen Jahren untrennbar zur Gothic Szene und zeigen auf beeindruckende Weise, was die sogenannte Neue Deutsche Todeskunst beinhaltet. Berührend waren seine Worte über die Entwicklung der Gothic-Szene weg vom Idealismus hin zu bedeutungslosem Einheitsmarsch. Das Set endete mit der Zugabe des wohl größten Hit „Destilat“ und versetzte alle noch einmal in Bewegung.

 

Setlist Das Ich @ Amphi 2015:

  1. Kannibale
  2. Kain und Abel
  3. Der Schrei
  4. Das dunkle Land
  5. Nahe
  6. Uterus
  7. Kindgott
  8. Gottes Tod

Encore: 9. Destillat

 

Ein etwas anderes Programm wurde anschließend geboten, da DER TOD als Comedian einen Slot auf der Mainstage bekommen hat um neue potentielle Todeskandidaten ausfindig zu machen und um mit Vorurteilen zu seiner Person und seinem Beruf aufzuräumen. Mit seiner Comedy Show tourt der gesichtslose Kapuzenträger durch Deutschland, Österreich und die Schweiz und brachte den ein oder anderen Besucher auch in Köln heftig zum Lachen. Gesellschaftskritische Analysen des Mittags-TV-Programms wie „Mitten im Leben“ halten ihn dazu an drüber nachzudenken, wovor die Menschen denn am „Ende des Lebens“ überhaupt noch Angst haben sollten…

 

Musikalisch hingegen geht es auf der Green Stage weiter. Hier geben Zeraphine ihr einziges Konzert in 2015! Die Präsenz von Frontmann Sven Friedrich ist unbeschreiblich, vom ersten Ton an singen die Fans mit und lassen sich in den dunklen Bann ziehen. Leider gab es ein paar technische Probleme, weshalb Gitarrist Normen nicht alle Songs begleiten konnte. Dies fiel vielen allerdings gar nicht auf, da die klare Stimme von Sven und seine Performance und Interaktion mit dem Publikum anzusehen ein wahres Freudenspiel war. Alle waren gut gelaunt und genossen diese Rarität vor sich auf der Bühne. Sämtliche Klassiker wie „Ohne Dich“, „Be my Rain“, „No Tears“, „Louisa“ und „No more Doubts“ wurden gespielt und lautstark mitgesungen.

 

Richtig laut und vor allem voll wurde es in der Arena beim Auftritt von Combichrist! Sie sind gerade auf Europa Tour und machten auch in Köln Halt.

Eingeleitet mit wenig Beleuchtung und nur in Begleitung einer akustischen Gitarre betrag Sänger Andy die Bühne mit den Worten „We Welcome You…“ aus dem Song „The Evil in Me“. Die Jungs rockten hart und laut eine Stunde lang und sprangen in bekannter und geliebter Manier von links nach rechts über die Gesamte Bühnenfläche. Drummer Joey sorgte mit dem immer wieder neuen Umwerfen seiner Schlagzeug-Toms für Beschäftigung des Drum-Tech und Andy begrüßte die Fans der ersten Reihen mit Handschlag. Überraschend war der Song „Zombie Fistfight“ vom Album No Redemption (Limited Edition),welchen sie meines Wissens nach bisher noch nie live spielten. Die Halle war brechend voll und hat definitiv gekocht!

 

Setlist Combichrist @ Amphi 2015:

  1. The Evil in Me
  2. Just Like Me
  3. No Redemption
  4. Zombie Fistfight
  5. Can’t Control
  6. Throat Full of Glass
  7. Maggots at the Party
  8. Denial
  9. Never Surrender
  10. Blut Royale
  11. Get Your Body Beat
  12. What the Fuck Is Wrong With You?

 

Wer die gesamte Combichrist Show sehen wollte hat leider unterdessen Welle Erdball und Henric De La Cour im Außenbereich verpasst.

In der Arena ging es anschließend weniger amerikanisch sondern eher richtig deutsch mit Oomph! weiter. Ein weiterer Act der Neuen Deutschen Härte Bewegung, ähnlich wie Stahlmann, versucht das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Einmal mehr im Matrosen-Outfit spielten die Jungs all ihre Klassiger der vergangenen Jahre. Das biedere Outfit ist hier nur Schein, denn Oomph! wissen genau wie sie die Halle zum brödeln bringen. Viele Songs wurden lautstark mitgesungen. Die Bühne sah mal richtig belebt aus, denn insgesamt stehen 7 Musiker gemeinsam vor einer überwältigenden Publikumsmenge.

 

Setlist OOMPH! @ Amphi 2015:

  1. Alles Aus Liebe
  2. Labyrinth
  3. Träumst Du
  4. Mein Schatz
  5. Das Weisse Licht
  6. Mein Herz
  7. Der neue Gott
  8. Mitten ins Herz
  9. Niemand
  10. Gekreuzigt
  11. Gott ist ein Popstar
  12. Augen Auf!
  13. Always Look on the Bright Side of Life! (Monthy Python Cover)

 

 

Ein weiteres Highlight ist der Auftritt von Samsas Traum, auf der mittlerweile leider im Regen befindlichen Green Stage. Frontmann Alex betritt nach einem langen Intro ungewohnt kurzhaarig die Bühne. Er würdigte das Durchhaltevermögen der Zuschauer in dem strömenden Regen und war sichtlich begeistert wie positiv die Fans dennoch einfach mitfeierten. Der Sound war mittelmäßig, zeitweise gab sich Herr Kaschte sichtlich Mühe und traf dann auch die Töne, dass es beinahe klang wie von CD, manchmal wurde seinerseits dem Gesang aber zu wenig Aufmerksamkeit beigemessen. Anyway, das Publikum liebt und feiert ihr, entgegen aller Widrigkeiten und Umstände.

 

Setlist Samsas Traum @ Amphi 2015:

  1. Intro (Von Sieg zu Sieg)
  2. Igel im Nebel
  3. Für immer
  4. Stromausfall im Herzspital
  5. Schenk mir deine Flügel
  6. Endstation.Eden
  7. Niemand, niemand anderem als dir
  8. Heiliges Herz
  9. Die Zärtlichkeit der Verdammten
  10. Ein Foetus wie du
  11. K.haos-Prinz und Wind-Prinzessin
  12. Kugel im Gesicht

 

 

Heiß begehrt und lang erwartet wurden The Mission bei vielen Besuchern.

Auch durch den einsetzenden Regen wurde es wieder deutlich kuschliger in der Arena.

Wayne Hussey war leider mit einer starken Erkältung angereist, so dass er nicht alle Parts selbst singen konnte. Hierfür gab es Unterstützung von Nana und Eve Evangel von Lolita Komplex. Wayne bedankte sich zudem aufrichtig bei den Ärzten und Organisatoren vor Ort, wodurch es ihm möglich war überhaupt auf die Beine und die Bühne zu kommen. Es war eine wirklich solide Leistung und die Fans waren durch die Auswahl an Songs, welche alle samt zu den The Mission Favoriten zählten, angetan.

 

 

Der Regen hatte ein wenig nachgelassen und so konnte man die Show von Diary of Dreams auf der Green Stage verfolgen. Es ist unbeschreiblich welche Engerie die Band an den Tag gelegt hat. Hinzu zur musikalischen Darbietung sorge auch eine zusätzliche Lichtinstallation für ein angemessenes Ambiente. Durch den aufziehenden Wind flogen die Haare von Adrian Hates durch die Luft und verliehen der brettharten Performance zusätzliche Dynamik.

 

Setlist Diary OF Dreams @Amphi 2015:

  1. Malum
  2. Psycho-Logic
  3. the Wedding
  4. Haus der Stille
  5. O‘ Brother Sleep
  6. Butterfly:Dance!
  7. Daemon
  8. Dogs of War
  9. King of Nowhere
  10. a dark embrace
  11. Kindrom
  12. Undividable

Zugabe: 13. A Day in December

 

 

Zu Guter Letzt beendeten VNV Nation mit ihrem Auftritt in der Arena das Amphi 2015.

Die Arena war knüppelvoll und der Innenraum wie auch einige Oberränge wurden wegen Überfüllung geschlossen. Nahezu jeder Besucher schien diesen Abschluss mitnehmen zu wollen. Ronan Harris war sichtlich bewegt bei einem Anblick, wie ihn mit seinen Worten „sonst wohl nur Depeche Mode erleben“. Ein Lichtermeer aus Feuerzeugen und Handys zog sich über den Innenraum bis in die letzte Reihe der Tribünen. Es ist faszinierend wie es ein einziger Mann schafft, bei solch einem riesigen Publikum jeden Einzelnen zu berühren und mit Emotionen zu catchen. Vom ersten Ton an brüllte es von den Rängen und in den hintersten Winkeln „I am lost in space and time“ mit… Es dauerte keine 20 Minuten bis man die ersten Tränen in den Augen des Publikums sehen konnte – vor Rührung, Mitgefühl, Freude und einfach aus Glück. Einfach unfassbar!

 

Setlist VNV Nation @ Amphi 2015:

  1. Space & Time
  2. Tomorrow Never Comes
  3. Darkangel
  4. Genesis
  5. Illusion
  6. Epicentre
  7. Control
  8. Standing
  9. Everything
  10. Farthest Star
  11. Resolution
  12. Nova
  13. Perpetual

 

 

Fazit: Nach einem nicht selbst verschuldetem holprigen Start an Tag 1 konnte das Amphi in der neuen Lokation mit Tag 2 doch noch beweisen, dass dieses Festival nichts an Charme verloren hat. Der Outdoor Bereich ist gut gestaltet und die Organisation, so denn es planbar ist, lief top. Abwechslung war musikalisch, kulinarisch und auf sonstige Weise kulturell geboten. Einzig auf die weiteren Laufwege zwischen den Bühnen und viele Treppen um zum Innenraum zu gelangen muss man sich einstellen.