Interview: Mandy Privenau


Datum:

13.11.2015

Interview Mandy Privenau für das Fan-Magazin „Knochenschiff“ von Subway to Sally:

 

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Ich habe bereits mit ich glaube 13 Jahren angefangen zu fotografieren. Auslöser war es, dass ich Angst hatte mich an schöne Dinge oder Ereignisse irgendwann einmal nicht mehr erinnern zu können. Von meinem verstorbenen Meerschweinchen gab es genau 3 Fotos und wir hatten eine wirklich intensive Bindung. Ab diesem Tage begann ich einfach alles festzuhalten. Daraus entwickelten sich im Laufe der Jahre verschiedene Phasen. Ich habe neben Tierheimtieren zur Präsentation dieser im Internet Industrieruinen dokumentarisch festgehalten und diese Locations irgendwann mit inszenierten Portraits kombiniert.
Um mein technisches Können weiter voran zu bringen begann ich etwa 2000 mit Konzertfotos welche, gelinde gesagt, vollkommen unbrauchbar waren. Somit war mein Ehrgeiz geweckt und ich schaffte mir Anfang 2004 eine Spiegelreflex an. Nach einigen Jahren der Unterbrechung aus persönlichen Gründen, bin ich nun seit 2007 wieder sehr aktiv im Event- und Konzertbereich unterwegs.

 

Kannst du dich noch an deine ersten Fotoerfahrungen erinnern?
Ich habe sehr viel analog fotografiert und Unmengen an Geld in Filme und Entwicklung gesteckt. Zu dieser Zeit waren meine Haustiere oder Details in der Natur meine favorisierten Motive. Durch eine Schul-AG hatte ich die Chance selbst schwarz-weiß Filme zu entwickeln und konzentrierte mich dort auf experimentelle Entwicklungsverfahren und begann mit den Details der Industrieruinen.

 

Was war das erste Foto, das du verkauft hast?
Wenn ich mich recht erinnere habe ich über eine Anzeige den Zuschlag für einen Auftrag als Hochzeitsfotograf bekommen und das Brautpaar den kompletten Tag begleitet. Da war ich 16 Jahre alt und dachte zum ersten Mal, dass meine Arbeit zum einen gern gesehen und zum anderen in irgend einer Weise wertvoll ist. Vorher gab es hier und da mal 10€ für kleinere Zuarbeiten.

 

Wo siehst du den Unterschied zwischen jemanden, der hobbymäßig knipst und jemandem, der professionell fotografiert?
Es ist schwierig eine Grenze zu ziehen. In meinen Augen fängt Professionalität da an, wo man sich selbst kritisch hinterfragt und einen gewissen sich immer wieder steigernden Anspruch an sich selbst aussetzt. Wenn man aus freien Stücken Bücher verschlingt und Workshops besucht kommt ein professioneller Touch mit rein. Hobbyfotografen würde ich so unterscheiden, dass sie die Bilder anfertigen um für sich selbst zu dokumentieren und um sich an Ereignisse erinnern zu können und diese ihren Bekannten und Freunden zeigen. Der emotionale Wert dieser technisch nicht perfekten Aufnahme ist hier um ein vielfaches höher als der von professionellen Bildern. Der Anspruch ist einfach ein vollkommen anderer. Professionelle Fotos sollen möglichst perfekt sein, auf einem gewissen Level, individuell genug um einen Wiedererkennungswert zu haben und eine möglichst hohe Verbreitung, über die persönlichen Kontaktgrenzen hinaus, erfahren. Ich meine hiermit aber keine technische Perfektion sondern eine Perfektion die über den emotionalen Anspruch desjenigen, der das Bild schießt hinaus geht.

 

Denkst du, es ist einfacher als Frau in dem Business Fuß zu fassen, als wenn man ein Mann ist?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass das einen Unterschied macht. Zumal ich grob geschätzt mindestens 70% männliche Kollegen um mich herum habe. Wichtig ist das Können und nicht das Equipment oder das Geschlecht.

 

Du warst mit Lord of the Lost im Tourbus unterwegs. Wie sah ein typischer Tag auf Tour für dich aus?
An und für sich ist es ein normaler Arbeitstag, der zeitlich etwas versetzt beginnt. Wenn man so gegen 11 Uhr wach wird ist man meist schon an der Location des Abends angekommen und nach einem Frühstück und einer schnellen Dusche fassen alle mit an die ganzen Gerätschaften aus dem Bus in die Halle zu bringen. Und dann hat jeder seine Aufgabe…. der Merch wird aufgebaut, die Bühne aufbereitet, Sound und Licht gecheckt. Während dieser Zeit bearbeite ich die Bilder vom Vortag und stelle diese noch vor der nächsten Show online. Showtime heißt auch für mich ACTION! Und das sieht vielleicht einfacher aus als es ist. Anschließend werden die Bilder auf den Rechner gezogen und wieder mit beim Einladen geholfen. Gegen 2/3 Uhr ist dann ein Mitternachtssnack im Bus fällig und je nachdem wie anstrengend der Tag war verschwinde ich dann auch zwischen 3 und 5 Uhr ins Bett und das Schunkeln vom Bus ist einfach nur großartig! Denn am nächsten Tag geht’s ja wieder rund! Es ist eine absolut tolle und unvergessliche Zeit auf Tour, aber am Ende des Tages ist es auch anstrengend und funktioniert nur, wenn jeder seinen Job macht.

Was sind die drei schlimmsten Fehler, die man als Fotograf im Graben machen kann?

  • die anderen Fotografen behindern
  • sich nicht an die Absprachen des Managements/Veranstalters halten und versuchen sich darüber hinweg zu setzen
  • den Künstler unvorteilhaft abbilden und seine Performance behindern

 

Mit welcher Technik fotografierst du?
Ich arbeite ausschließlich mit CANON Equipment. Meine 2 Spiegelreflex-Vollformat Kameras und diverse Objektive liefern seit Jahren zuverlässige Ergebnisse. Dadurch, dass ich über viele Stunden mit viel und schwerem Equipment herumlaufe habe ich mir ein Halterungssystem angeschafft und den Ballast auf die Hüften zu verlagern. Das entlastet den Rücken und schont die Schultern.

 

Wie viele Bilder machst du im Schnitt pro Konzert?
Bei normalen Show mit 3 Songs Zeitrahmen um Bilder zu machen bin mit ca. 250 Bildern dabei. Abhängig von Motiven und Anzahl der Musiker. Akustikkonzerte ohne Bewegung mit einer einzelnen Person sind auch mit 30 Bildern fertig. Bei 1,5h Fulltime Show wo ich komplett in den Clubs diverse Perspektiven suchen kann und im Laufe des Sets sich Stimmung und Showeinlagen ständig ändern sind es auch mal 600 Bilder pro Abend und Band.

 

Mit welchem Programm machst du die Nachbearbeitung deiner Fotos?
Ich arbeite zur Katalogisierung und Archivierung mit Adobe Lightroom. Auf Grund der Fülle an Bildern mache ich nur eine minimale Grundbearbeitung. Schnitt, Kontraste und Helligkeit, Runderrechnen der Originaldatei auf Webgröße. Von aufwendigen Retuschen sehe ich im Konzertbereich ab.

 

Wie muss deiner Meinung nach ein gutes Foto sein?
Es muss die Stimmung des Abends transportieren und die Emotion des Betrachters wecken. Er sollte sich beim Anschauen Zeit nehmen wollen um das Bild zu „entdecken“ und sich an dieses Ereignis zu erinnern. Ein gutes Bild sollte den abgebildeten Act zwar in einer typischen, aber dennoch noch nicht all zu häufig gesehenen Pose präsentieren und spannend gestaltet sein. Normale Ästhetik Regeln wie „Goldener Schnitt“ oder „Schärfeverlauf“ zum Lenken des Blickes des Betrachters spielen hier eine große Rolle.

Du bist 2014 nach Hamburg gezogen. Hast du dich gut eingelebt? Was gefällt dir besonders gut an Hamburg?
Ja, mir geht’s super hier und manchmal ist es auch wirklich gut einfach alles neu zu machen und zu schauen, wohin der Weg einen führt. Mein erstes Jahr in Hamburg hat mich viele tolle und vor allem kreative Menschen kennenlernen lassen. Es haben sich neue fotografische Projekte erschlossen, wie z.B. die Kooperation mit dem Queen Calavera oder die Aufnahme bei der Booking Agentur Rockbase! Hamburg bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten – zwischen Grünanlagen und Nachtleben, zwischen geschichtsträchtiger Altstadt und freien, frischen Ideen. Diese Stadt ist für eine Großstadt so entschleunigt, entspannt, offen und gechillt, dass man gar nicht anders kann als sich hier wohl zu fühlen. Ich bin gespannt wo die Reise hingeht, aber mein Herz habe ich schon jetzt an diese Perle verloren.

Was war dein persönliches Highlight dieses Jahr und warum?
Mein erstes Steelpanther Konzert dieses Jahr war große klasse. Highlight ist natürlich auf jeden Fall die Veröffentlichung des 2016er QUEEN CALAVERA Kalenders, wofür ich viele Shootings mit den Tänzerinnen durchgeführt habe. Immer wieder großartig sind Combichrist, die ich vermehrt dieses Jahr sehen durfte.

2015 hat einige tolle neue Menschen in mein Leben gebracht, die dort hoffentlich auch noch lange sein werden. Und natürlich war die A NIGHT TO REMEMBER Tour von LOTL absolut einmalig. Ich war selbst soo arg aufgeregt vor der ersten Show und dieses Gefühl von Stolz, über die Leistung und die Aufmachung, war unbeschreiblich.

 

Gibt es Bands, die du besonders gerne fotografierst?
Ich fotografiere eigentlich alle gern, die eine gute Lichtshow und Bewegung auf der Bühne bieten. So z.B. Eisbrecher. Aber auch In This Moment waren super und stehen auf der Liste derer, die ich wiedersehen möchte.

Schwierig zu fotografieren sind z.B. Agonoize und genau darum fotografiere ich sie so gern.
Emotional gesehen sehe ich mir selbst, zu den üblichen Verdächtigen wie Unzucht, Darkhaus und LOTL, sehr gern IAMX, mesh, Solar Fake, Pitchfork, Hurts und noch so einige andere an. Und das funktioniert in meiner Welt am besten durchs Objektiv.

 

Machst du dieses Jahr wieder einen Kalender für Lord of the Lost? Nach welchen Kriterien wählst du die Fotos dafür aus? Wo wird es den Kalender zu kaufen geben?
Dieses Jahr wird es von mir direkt, oder wie die Jahre zuvor über Out Of Line, keinen Kalender geben. Der Sonic Seducer hingegen bringt einen exklusiven und limitierten Kalender raus, für den ich meine Bilder bereitstelle.
Die Bilder werden danach ausgesucht, dass sie möglichst unveröffentlicht sind. Die Vorauswahl treffe ich, aber die Band hat da absolut Mitspracherecht. Am Ende führt die Zusammenarbeit zum bestmöglichen Ergebnis. Dieses Jahr wird das grafische Layout vom Sonic Seducer erstellt, ich bin auf das Resultat gespannt!


Was muss man tun, wenn man dich für ein Shooting buchen möchte?
Das ist eigentlich ganz einfach. Schickt mir eine FB Nachricht oder eine Email (m.privenau@gmx.de) mit euren Wünschen und wir schauen, wann, wo und wie es sich umsetzen lässt. Ich fotografiere eigentlich alles. Babys, Hochzeiten, Portrait, Paare, Tiere… 2015 habe ich sogar Taschen fotografiert. Fragt mich einfach, nichts ist zu abwegig. Ich freue mich auf viele spannende neue Projekte!

 

Wann hast du die Musik von Subway to Sally zum ersten Mal gehört?
Ohh das ist schon sehr, sehr lange her. Sicherlich vor 15 Jahren wenns reicht. „Foppt den Dämon“ ist mir bestens im Gedächtnis geblieben. Aktiv verfolgt habe ich sie ca seit 2005, mit ihrem „Nord Nord Ost“ Album.

Welchen Subway to Sally Song hörst du am liebsten?

„Wenn Engel Hassen“, „Narben“ und „Kleid aus Rosen“ sind Alltime Favourits.

Aber wirklich seit Anbeginn beeindruckt hat mich „Kleine Schwester“ und ich würde mich freuen, dies mal wieder live zu hören.

 

Wie feierst du Silvester?

Ich werde entspannt mit der Familie bei Gesellschaftsspielen zusammen sitzen und währenddessen meinen Hund beruhigen. Silvester ist der sinnloseste Tag im Jahr und entzieht sich meiner Ansicht nach jeglichem Verständnis. Vermutlich werde ich Bilder bearbeiten und gegen Mitternacht schlafen gehen.

 

Was sind deine Pläne für 2016?

Wie jedes Jahr: weitermachen, mehr erreichen, Chancen erkennen und nutzen, und dabei den Spaß nicht verlieren. Kommerziell gedacht darf es natürlich gern der Lottogewinn sein, um es in neues Equipment zu investieren, aber das wird wohl kaum der Fall sein 😉

Ich möchte 2016 andere, für mich neue Festivals besuchen wie z.B. das Hurricane oder das Deichbrand Festival, auf denen ich bisher noch nie gewesen bin. Ich habe das Ziel, zumindest eine Show im Ausland zu begleiten, eigentlich wär es mal wieder Zeit für einen Besuch in Finnland..
Vielleicht ist ja auch mal wieder ein paar Tage Urlaub drin, so mit Wegfahren und die Welt kurz ausschalten. Das ist auch schon wieder über 6 Jahre her.

Privat für mich selbst möchte ich ein harmonisches Jahr ohne Schicksalsschläge, gesunde Familienmitglieder, wozu ich auch meine Hunde zähle, und eine geniale Zeit mit meinen Freunden erleben.

 

Gibt es noch etwas, dass du den Subway to Sally Fans gerne sagen würdest?

Ich freue mich auf viele Konzertabende mit jedem von euch. Die Musik vereint uns und ich bin mir ziemlich sicher, dass im nächsten Jahr viele geniale Momente auf uns warten
Wer Lust hat mit mir zu Quatschen kann gern jederzeit zu mir kommen, ich freue mich immer sehr mal ein reales Gesicht zu den Mini Facebook Bildchen zu sehen. Die ein oder andere Cola lässt sich da sicherlich gemeinsam schlürfen!
Ansonsten bleibt mir nur zu sagen:

Lebe dein Leben, denn niemand anderer wird dies für dich tun!