Review+Galleries: Plage Noire Festival 2018


Event:

Plage Noire Festival

Ort:

Weißenhäuser Strand

Datum:

27.04.2018

Gallery: apRon @Plage Noire Festival 2018 - Day 1
Gallery: ASP @Plage Noire Festival 2018 - Day 1
Gallery: chrom @Plage Noire Festival 2018 - Day 1
Gallery: Leichtmatrose @Plage Noire Festival 2018 - Day 1
Gallery: Megaherz @Plage Noire Festival 2018 - Day 1
Gallery: Mono Inc. @Plage Noire Festival 2018 - Day 1
Gallery: Ost+Front @Plage Noire Festival 2018 - Day 1
Gallery: Solar Fake @Plage Noire Festival 2018 - Day 1
Gallery: Zeromancer @Plage Noire Festival 2018 - Day 1
Gallery: Absurd Minds @Plage Noire Festival 2018 - Day 2
Gallery: Blutengel @Plage Noire Festival 2018 Day 2
Gallery: Empathy Test @Plage Noire Festival 2018 - Day 2
Gallery: Frozen Plasma @Plage Noire Festival 2018 - Day 2
Gallery: Johnny Deathshadow @Plage Noire Festival 2018 - Day 2
Gallery: Die Krupps @Plage Noire Festival Day 2
Gallery: Lord of the Lost @Plage Noire Festival 2018 - Day 2
Gallery: Schwarzer Engel @Plage Noire Festival 2018 - Day 2
Gallery: Subway to Sally @Plage Noire Festival 2018 - Day 2
Gallery: Suicide Commando @Plage Noire Festival 2018 - Day 2
Gallery: Unzucht @Plage Noire Festival 2018 - Day 2
Gallery: VNV Nation @Plage Noire Festival 2018 Day 2

Das Festival-Comeback 2018 – nach 9 Jahren Stille kehrt das Plage Noire am Weißenhäuser Strand mit Pauken und Trompeten zurück! (26.4. Preparty, Konzerte 27.4.-28.4.2018)

Galleries Day 1:
apron, ASP, chrom, Leichtmatrose, Megaherz, Mono inc., Ost+Front, Solar Fake, Zeromancer

Galleries Day 2:
Absurd Minds, Blutengel, Empathy Test, Frozen Plasma, Johnny Deathshadow, Die Krupps, Lord of The Lost, Schwarzer Engel, Suicide Commando, Subway To Sally, Unzucht, VNV Nation

Es wurde Zeit den Strand des idyllischen Städtchens nach langer Zeit für dieses eine Wochenende wieder schwarz zu färben. Dabei fällt auf, dass es ein eher erwachsenes Festival ist. Kaum Minderjährige oder junge Erwachsene, eher die etablierten und langjährigen Festivalgänger, die man auch von anderen Events wie Mera Luna oder dem Amphi Festival kennt.

Im Ferienpark Weißenhäuser Strand haben sich mit dem Rolling Stone Weekender und dem Metal Hammer Paradise bereits zwei sehr erfolgreiche Indoor-Festivals aus dem Hause FKP Scorpio etabliert – nun kehrt auch dass Gothic-Festival Plage Noire als drittes Festivalformat zurück.

Beim Plage Noire haben 4.000 Anhänger der schwarzen Szene schon weit im Voraus ihre Tickets und Apartmentzimmer oder Ferienwohnungen gebucht um dieses Revival zu zelebrieren und um gemeinsam die Sage um die mysteriöse Isabelle LeFavre zu erkunden. Um die geisterhafte Dame, die auch im Logo des Plage Noire bildlich dargestellt ist, gibt es eine Legende, die das Festival zum Anlass genommen hat, um mit mehr als 25 Bands und erlesenem Rahmenprogramm dieses Wochenende außergewöhnlich zu gestalten.

Die Mitarbeiter im Hotelbereich und an den Getränkeständen sind auffällig gut gelaunt, in Schwarz angemessen gekleidet und stets mit einem Lächeln auf den Lippen für jede Frage offen.

Direkt zu Beginn, wird für die Überbrückung der Wartezeit, vor der Anmeldung sogar gratis Bier verteilt. Einem perfekten Start in das Wochenende steht somit nichts mehr im Weg.

Während des gesamten Festivals, dass bereits am Donnerstag mit der Pre-Party begann die u.a. von DJ Chris Harms und Marc Urban (Sonic Seducer Musikmagazin) mitgestaltet wurde, gab es einen TV-/Radio-Livestream. Hier wurden rund um die Uhr sowohl Gothicklassiker als auch von den anwesenden Fans gewünschte Hits gespielt. Ebenso wurde man permanent mit Infos zu Siteprojekten wie „Die Stadt der Engel am Weißenhäuser Strand“ oder Änderungen in der Timetable informiert. Tolle Aktion zur Gestaltung des Rahmenprogramms in den Hotelzimmern!

Am Freitag zur besten Feierabendstimmung eröffneten kurz nach 17:00 Uhr CHROM den Salle de Fete – die mittlere von 3 Veranstaltungsbühnen. Auch hier konnte man ab dem ersten Takt eine ausgesprochen gute Stimmung und viel Freude in den Gesichtern der Besucher vermerken, was nicht zuletzt der positiven Stimmung, gutem Licht und dem offenen Lächeln von Frontmann Chris geschuldet war.

Nur wenig später wurde auch das große Zelt – Le Chapiteau – mit der Ost+Front musikalisch eröffnet. Erstaunlich voll war es bereits zu dieser frühen Stunde. Alle Bands des ersten Abends durften im großen Zelt 90 Minuten spielen – das kam eher einem Tour Auftritt und nicht einer Festivaldarbietung gleich. Doch über mehr Zeit mit seinen Lieblingsbands beschwert sich natürlich niemand. Frontmann Patrick verlor kein unnötiges Wort – strikt wurde Song an Song gereiht und das gesamte Repertoire dargeboten. Natürlich durften Showeinlagen wie das Duett mit Eva mit Strohhut oder der entblößte Hintern nicht fehlen.

Die Ersten im La Rotonde, die kleinste der 3 Bühnen, waren apRon. Der Stil ist mit Punkrock beschrieben. Stilistisch „außerhalb der Reihe“ boten sie wirklich etwas anderes. Rock, Gesang, Gitarren und Schlagzeug zwischen Säusel Stimme und Growl. Durchaus interessant – leider war der ohnehin kleine Raum lückenhaft gefüllt und bot optisch kaum Möglichkeiten einer gut inszenierten Show. Leider hatten damit aber alle Bands in dieser Location zu kämpfen.

Wenn es hier aber doch mal übervoll würde, mit rund 200 Leuten war der Raum leider voll, konnte man vor der Alm die Show auf Monitoren verfolgen.

Im Anschluss an Ost+Front ging es im gleichen Neue Deutsche Härte Genre mit MEGAHERZ weiter. Mit „Vorhang auf“ leiteten die 5 bayrischen Jungs ihr Set ein und ballerten alles raus, was Drums und Verstärker hergaben. Ein schöner Mix aus Songs des aktuellen Albums „Komet“ und alten Klassikern wie z.B. „5. März“ oder „Miststück“ erfreute das Gehör. Die Halle war brechend voll, eine schöne Lichtshow und ab und zu auch ein politisches Statement ließen die Euphorie im Publikum steigen.

Nicht weniger leise ging es im Anschluss bei Solar Fake weiter. Salle de Fete war bis zum letzten Stehplatz voll – es war äußerst kuschelig und vermutlich musste man aufpassen, dass es nicht von der Decke tropfte. Eine heiße Darbietung von Sven und André allemal – ohne Punkt und Komma aber mit viel Gefühl und Energie begeisterten Sie die Fans.

Schlag auf Schlag – nun gehen auch schon Mono Inc. auf die Festzeltbühne. Trotz technischer Probleme vollzog Sänger Martin Engler die Show souverän. Chöre des Mitsingens und Jubelns blieben hier auch nicht aus. Die klassischen Outfit Wechsel und auch das Schwingen der Mono Inc. Fahne gehören per se zu ihren Auftritten. Optisch schön gestaltet mit tollen Lichteffekten konnte man auch von den hinteren Reihen die Show sehr gut genießen. Wer dennoch nicht genug hatte konnte Mono Inc. auch noch bei der Aftershow Party als DJ-Team erleben.

Anschließend spielten exakt zeitgleich Die Norweger von Zeromancer im Salle de Fete und auch Leichtmatrose im La Rotonde. Schade, dass diese Shows parallel liefen, denn so mussten man sich entscheiden wen man sehen wollte. Generell gab es wenige Überschneidungen, dennoch wird man es nie jedem recht machen können.
Leichtmatrose standen mit 4 Leuten inkl. Schlagzeug auf der kleinen Bühne. Wenn der Platz nicht reicht muss man die Bühne eben ins Publikum ausweiten. So kam es, dass Andreas inkl. Mikrofon die unmittelbare Nähe zu den Fans suchte und im Zuschauerraum seinen Elektro-Chanson weitersang.

Zeromancer waren einer der Headliner und innig erwartet bei den Elektro-Liebhabern. Sie kombinierten Synthies und Metal. Mit viel Stroboskoplicht wurden die eingängigen Melodien untermauert. Die harmonische Elektronik mit den eingängigen Gitarren wurde gemischt mit tiefgreifenden Texten, so dass man sich kaum dem Mitsingen entziehen konnte.

Auf der Le Chapiteau beschließt die Szene-Größe ASP den vorläufigen Höhepunkt am ersten Festivalabend. Das Zelt ist rappelvoll. Zwar fehlten hier übliche Pyroeffekte, dennoch ließ die Show und seine persönlichen Worte an die Menge, die Herzen der Fans höher schlagen.

Am Samstag musste man schon früh auf den Beinen sein. Den die wohl allen bekannte Szene aus „Stadt der Engel (Warner Bros – 1998)“ sollte mit Hilfe vieler schwarz gekleideten Menschen am Strand nachgestellt werden. Viele beteiligten sich bereits 10:30 Uhr an dieser Aktion und genossen das schöne sonnige Wetter, bevor man ab 14:15 Uhr musikalisch in den Tag startete. Zuvor konnte man auch noch Lesungen von Christian von Aster und Markus Heitz lauschen.


Empathy Test
, die Überflieger aus London, betraten die mittlere Bühne und brachten mit ruhigen Elektropop Klängen die Leute in Stimmung für den Tag. Beeindruckend, wie schnell sich diese Band entwickelt hat und an Live-Präsenz zugelegt hat! Es macht richtig Spaß Isaac zu beobachten und sich in die emotionalen Welten seiner Songs einzufühlen.

Schwarzer Engel eröffneten die große Bühne an diesem Tag. Das geänderte Styling und Image der Band fällt sofort auf. Kein goldener Brustpanzer mehr. Viel mehr sieht Sänger Dave aus wie ein Lookalike von Marilyn Manson. Optisch und auch die Bewegungen sowie das Bühnenbild mit Rednerpult, Adleremblem und schwarzem Lippenstift erinnern sehr an einen Abklatsch der Ikone aus Amerika. Die Halle war noch halb leer und leider blieben auch Begeisterungsstürme im Publikum aus.

 

Elektronisch ging es hingeben in der mittleren Halle bei Absurd Minds weiter, gefolgt von Centhron. Zeitgleich spielten in der kleinen Halle Johnny Deathshadow. Jonathan erfrischte mit Witzen zwischen den Songs, man habe ja genug Zeit zum Plausch denn, sind wir mal ehrlich, so viele Songs haben JDS gar nicht die sie darbieten könnten. Natürlich ist dies mit einem Augenzwinkern gemeint. Die Nordlichter kamen gut an – die Besucher rockten ordentlich ab. Immerhin hatten sie eigenes Lichtequipment dabei, dass die Umstände in diesem Raum deutlich verbesserte.

Die freundliche Unzucht hingegen läutete die Glocken des deutschsprachigen Rocks auf der La Chapiteau ein. Das Publikum war unglaublich laut! Die Unzucht rockten vor allem alte Songs des ersten Albums „Todsünde“, da sie aktuell diese auch auf der Todsünde Total Tour wiedergaben. Natürlich sind aber auch neuere Hits wie „Nur die Ewigkeit“ dabei. Sänger Daniel war leicht angeschlagen und unter Medikamenten auf der Bühne – dies fiel aber kaum weiter auf. Die positive Energie der Jungs übertrug sich direkt auf das Publikum.

Lord of the Lost betraten direkt im Anschluss die Bühne. Dieses mal leider nur zu Viert, denn Allrounder Gared konnte am Festival nicht teilnehmen. Er wurde würdig von einer lebensgroßen Pappfigur seiner selbst vertreten, denn er rockt aktuell die Bühnen mit David Hasselhoff. Eine bessere Ausrede ein Festival zu schwänzen kann man kaum haben. Die übrigen vier Hamburger knüppeln eine Rocknummer nach der nächsten raus, Metal Einflüsse inklusive. Am Ende durfte der Papp-Gared zum ersten Mal in seinem Leben Crowdsurfen – zumindest so lange, bis seine Figur vom Publikum in seine Einzelteile zerlegt wurde.

Leider mussten Diorama kurzfristig den Auftritt aus persönlichen Gründen absagen, aber es war schnell passender Ersatz gefunden. Denn Frozen Plasma vertraten netterweise ihre Musikerkollegen und hatten sichtlich Spaß mal wieder auf einer Festivalbühne zu stehen. Diorama haben bereits zugesagt, ihrem Auftritt im kommenden Jahr nachzuholen.
Das Plage Noire – der Schwarze Strand – ist ein großes Familientreffen. So waren auch Blutengel an diesem Festival mit am Start. Die Elektro-Gothpopper überzeugten mit einer gekonnten Performance in morbider Gothic-Ästhetik, die Tänzerinnen mit wenig Bekleidung und Kunstblut oder durch opulente Flügel-Attrappen gestylt. Akustik und Licht waren hier überaus gelungen auf das Festzelt abgestimmt.

Während Florian Grey einige Songs auf Grund technischer Probleme sozusagen a cappella im La Rotonde darbot, was der Stimmung und seinem Können keinen Abbruch tat, hatten Die Krupps im Salle de Fete auch viele technische Probleme und enormen zeitlichen Verzug. Dennoch rockten Sie mit ihrer schweißtreibenden und krachigen Industrial-Show die Bühne.

Und auch die Brachial-Elektroniker Suicide Commando ließen anschließend die Halle erneut beben.

Unterdessen wurden die Klänge im La Chapiteau ruhiger, denn Subway to Sally gaben sich nun die Ehre. Für Eric Fish fühlte sich die randvoll gefüllte Halle „ein bisschen an wie Leipzig“ – damit spielte er wohl auf das bevorstehende WGT Festival an. Entgegen der Wall of Death wollte man an diesem Abend eher Liebe verbreiten und rief zur „Wall of Love“ auf, denn Gothic ist Liebe, so Fish.

Das packende Finale des Festivals beschritten die Electronic-Industrial-Grenzgänger VNV Nation. Unerwarteter Weise gab es hin und wieder einen erleuchteten Blick auf Ronan, der bekanntlich lieber im Dunklen tappt. Die Fans waren am Höhepunkt ihrer Euphorie und zelebrierten die letzten Klänge gemeinsam mit dieser Szene-Größe bis kurz nach 1:00 Uhr Nachts.

 

Fazit:
Ein unglaublich schönes, gut organisiertes und strukturiertes Festival in toller Atmosphäre. Ein hochkarätiges Programm und moderate Preise an den Essensständen oder in der Shoppingmeile. Wer Zeit hatte konnte auch die Angebote der Ferienanlage wie Schwimmbad, Minigolf, Ausritte am Strand u.v.m. nutzen. Das Rahmenprogramm mit Modenschauen, Lesungen, dem Radio Channel und den Pre- sowie Afterpartys runden das positive Bild des Plage Noire ab.

Bei der kunstvollen Erweckung der Isabelle LeFavre bewies Veranstalter FKP Scorpio extrem viel Liebe zum Detail. Das raue Ostsee-Panorama bildet die perfekte Kulisse für dieses ganz besondere Festival.

Im nächsten Jahr wird die Legende um den schwarzen Strand am 3. und 4. Mai fortgeschrieben. Der Vorverkauf für PLAGE NOIRE 2019 ist bereits gestartet und die Nachfrage ist riesig. Es ist eine absolute Empfehlung dieses Festival aufzusuchen!