Review: Maxim – Reprise Tour 2017


Event:

Reprise - Tour 2017

Ort:

Grünspan, Hamburg

Datum:

14.11.2017

Gallery: Maxim @2017-11-14 Hamburg
Gallery: Lina Maly @2017-11-14 Hamburg

 

 

Anlässlich seines am 29.9.2017 veröffentlichten Albums „Reprise“ im akustischen Gewand besucht Maxim auf seiner aktuellen Tour 7 deutsche Städte. Am 14.11.17 war er zu Gast im Grünspan in Hamburg.

Ein schönes Ambiente offenbarte sich den Besuchern. Mit einer Empore im rustikalen Industriebaustil, gemischt mit minimalistischem Bühnenbild und einem bestuhlten Innenbereich.

Nach und nach fand jeder seinen Platz, ein paar Zuschauer bevorzugten es aber lieber in der Nähe der Bar stehen zu bleiben.

Im Vorprogramm trat Lina Maly auf. Sie stammt aus der Nähe von Hamburg und beeindruckt mit tiefgründigen, melancholischen, manchmal etwas altklug erscheinenden Liedern bei denen man sich fragt, wie eine knapp 20 Jährige solche Texte schreiben kann? Mit viel Gefühl stellt sie ihren bisherigen Radiohit „Schön genug“ vor und erntet tosenden Beifall. Ebenso ein neuer Song, der erst vor 2 Tagen geschrieben wurde, fand den Weg auf die Bühne. Man merkt deutlich, auch in ihrer Gestik und dadurch, das sie beim Singen fast immer die Augen zu hat, wie viel Herz und Seele diese Stücke tragen. Sie gehen nah, regen zum Nachdenken an und beschäftigen auch noch nach dem Konzert in den Köpfen weiter. Tolle Leistung, pur dargeboten, einzig mit Keyboard oder Gitarre unterstützt.

Nach einer nur kleinen Pause startet die Band erst einmal allein. Das Intro geht über in „Remix“ und Maxim nahm Platz. Es war eine sehr familiäre Stimmung, ohne großes Chi-Chi, der Fokus liegt eindeutig auf der Musik und seinen Texten.
Melancholisch und teilweise depressiv kommen diese daher – doch keineswegs war das Publikum und Maxim selbst betrübt. Er machte Witze über Menschen, die das von Jim Morrison auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris besuchten, nur im dort Sex zu haben. Er echauffierte sich über die Krux von Instagram. Man schaut dort rein, wenn es einem selbst nicht so gut geht. Doch dann sieht man nur Menschen, denen es vermeintlich besser geht als einem selbst und während man sich das anschaut, geht es einem selbst noch schlechter. Dabei geht es denen auch nicht besser als einem selbst, sie versuchen es nur so darzustellen.

Die Wertigkeit die man damit Instagram zuspricht regte durchaus zum Nachdenken an.
Weiterhin verriet Maxim, dass es keinen Comedian gibt, der es je geschafft habe, seine Mundwinkel auch nur ein winziges Bisschen nach oben zu bewegen. Witze auf Kosten anderer oder Oberflächlichkeiten bewegen ihn nicht.
Anschließend äußerte er die Theorie vielleicht selbst Comedian zu werden und dieses Business umzukrempeln. Aber nachdem sein Witz zwei mal zu Lachern führte und beim dritten Mal dieses Lachen bereits verstummt war, verwarf er diesen Plan doch lieber wieder und kehrte zum Gesang zurück.

Ein Song, den er an uns für sich nie live spielten wollte, es nun aber doch tat, ist Buntstifte. Dem ein oder anderen trieb dieser Tiefgang im Lied die Tränen in die Augen. Starker Tobak der gefühlvoll dargeboten und aufgearbeitet wurde.

Maxim ist immer gern in Hamburg, sagte er. Er fühle sich hier sehr wohl und interagierte gern mit dem Publikum. Der ein oder andere Schlagabtausch mit den Fans zwischen den Stücken lockerte die Stimmung zusätzlich auf.

Sein Hit, „Meine Soldaten“, ist wohl der Grund warum er diese Touren machen kann. Er war sehr Dankbar dafür, dass die Besucher und andere seiner Fans ihn derart unterstützen und damit den Traum des Musikers für ihn haben wahrwerden lassen.

Der Zugabeblock wurde eingeleitet vom Mann an den Keyboards. Allein auf der Bühne bot er unter dem Künstlernamen Sir Pryce zum ersten Mal live seinen eigenen Song „Through my Head“ dar. Andächtig lauschten alle und auch vom Frontmann und Künstlerkollegen Maxim gab es anerkennenden Applaus. Wer sich selbst ein Bild machen möchte kann hier reinhören: Sir Pryce

Noch drei kleine Zugaben folgten, als ein kurzweiliger Abend sein Ende fand. Viele hätte gern noch mehr gehört aber es ist wie mit allen schönen Dingen im Leben: sie ziehen viel zu schnell an einem vorbei, so dass man sie nur noch im Rückspiegel verstreichen sieht.

Fazit: Musikalisch war es eine großartige Darbietung. Ein charmanter Frontmann mit viel Sinn für Humor und Gespür fürs Publikum schaffte es, trotz ergreifender, depressiver Thematiken in seinen Songs den Besuchern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, wenngleich dies bei ihm selbst nicht einmal die Comedians dieser Welt zu schaffen vermögen.

Setlist:

  1. Remix
  2. Ware Liebe Geld
  3. Mehr Sein
  4. Tourist
  5. Meine Worte
  6. Amnesie
  7. Buntstifte
  8. Wut
  9. Hype
  10. Meine Soldaten
  11. Autsch
  12. Hier
  13. Scherzkerzen

Encore:
Einleitung: Sir Price – Through my Head

  1. Staub
  2. Pille aus Luft
  3. Rückspiegel